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Wolfgang Wöhrmann
Facility-Management
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Wolfgang Wöhrmann - CAFM mit Visio - GebäudereinigungNachdem sich in den letzten Jahren die CAFM-Systeme in breiter Front am Markt etablieren konnten, sind auch die Entwickler entsprechender Systeme für den Bereich der Gebäudereinigung - eigentlich ein Teilbereich von CAFM - nicht untätig gewesen und präsentieren entsprechende Lösungen. Ob im Kontext einer Gesamtlösung oder als Einzelsystem entwickelt, leiden diese Systeme oft an den gleichen Schachstellen wie ihre großen Brüder. Obwohl ich schon an verschiedenen Stellen, u.a. sehr ausführlich in meiner Monographie CAFM mit Visio auf diese Dinge hingewiesen habe, sollen die beiden wichtigsten Argumente hier noch einmal rekapituliert werden.
Dass es auch anders und wesentlich preiswerter geht, soll an zwei Beipielen demonstriert werden, die mit Hilfe des Grafiksystems "Visio" von Microsoft© realisiert wurden. In beiden Fällen wurde dem Reinigungsunternehmen von Seiten des Kunden nur eine Pixel-Grafik bzw. eine PDF-Datei zur Verfügung gestellt, aus denen die geometrischen Informationen, d.h. in unserem Fall die Ausdehnung und Größe der Räume, nur indirekt entnommen werden konnten. Auf der Grundlage dieser Daten sollte einmal ein Angebot erstellt werden. Auf der anderen Seite sollen diese Pläne für die interne Kalkulation und die Erstellung hausinterner Aufträge genutzt werden. Vorgabe des Kunden war weiterhin, dass die Flächenberechnungen um bis zu 10 % varieren könen, was zu Lasten oder zu Gunsten des Anbieters ausschlagen kann. Ehe auf die Beispiele im Einzelnen eingegangen wird, sollen einige Begrifflichkeiten aus dem Reinigungsgewerbe abgeklärt werden, mit denen im Folgenden gearbeitet wird.
Vorgaben aus dem Bereich der Gebäudereinigung
In Bezug auf die Anforderungen an die Gebäudereinigung wird üblicherweise
unterschieden in solche aualitativer und solche quantitativer Art. Während erstere
sich mit Qualifikation des Personals und deren Weiterbildung beschäftigen, finden
die qunatitativen Anforderungen - Gegenstand unserer Beispiele - Ausdruck in den Reinigungszeiten,
also die Zeiten, die notwendig sind, die Reinigungsobjekte entsprechend den Vorgaben zu
säubern.
In der Literatur und in sonstigen Publikationen gab es bis vor wenigen Jahren nur wenige konkrete Angaben, was die Reinigungszeiten für bestimmte Böden in spezifischen Gebäuden betrifft. Die wichtigsten Quellen seien hier genannt: Das sog. Hamburger Modell beinhaltet für die typicherweise in einem Krankenhaus vorkommenden Räume zwei Elemente, einmal die Raumgruppen, zum anderen die Leistungsvorgaben in Quadratmetern pro Stunde für dieses Raumgruppen. Raumgruppen sind Räume, denen gleiche Leistungsvorgaben zugeordnet werden. Da diese Zahlen erstens veraltert, zweitens nur für Krankenhäuser gelten, werden sie heute in der Regel nicht mehr angewandt. Das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtshaft(KTBL), welches in erster Linie ökonomische Fragen in der Landwirtschaft erarbeitet, hat u.a. auch Materialien für Raumreinigung erarbeitet. Die publizierten Wete, die auf realen Messungen basieren und damit sehr praxisbezogen sind, sind ausgewiesen als Arbeitskraftminute pro 10 qm Reinigungsfläche und müsseen zur Vergleichbarkeit mit anderen Werten umgerechnet werden. Da sie in erster Linie Privathaushalten (in der Landwirtschaft) als Anhaltspunkte dienen, finden sie in unserer Betrachtung keine weitere Berücksichtigung. Von größerem Gewicht sind die Zahlen, die vom REFA-Fachausschuss Gebäudereinigung in einer Studie veröffentlicht wurden. Sie basieren auf Zeitstudien, die nach Optimierung der Arbeitsorganisation - neudeutsch würde man sagen der Prozesse - durchgeführt wurden. Nach dieser Studie sind die Reinigungszeiten hauptsächlich abhängig von der Lage des Gebäudes, seines Verschmutzungsgrades, seiner Nutzung, seiner Frequentierung sowie der Möblierung der Räume. Darüberhinaus wird betont, das die veröfentlichten Zahlen objektbezogen und damit nicht übertragbar sind. Die in der Studie wiedergegebenen Leistungskennzahlen, - gemessen in qm/h je nach Raumtyp - sind sehr detailliert, beziehen sich auf ein Altersheim, so dass wichtige Raumgruppen aus Verwaltungsgebäuden nicht auftauchen. Auch das im Reinigungsbereich bekannte Autorenteam Neumann/Henning hat Leistungskennzahlen für die Erstellung von Angeboten für Gebäudedientleiter veröffentlicht, gemessen wieder in qm/h. Sie selbst nennen ihre Zahlen "realistische Angaben" und da diese Aussage zutrifft, werden die von ihnen ausgewiesenen Werte hier wiedergegeben. Auffällig ist ist die große Bandbreite für einige Raumgruppen.
Eine der wichtigsten Quellen für Leistungsvorgaben in der Gebäudereinigung ist bzw. war der Reinigungsexperte Walter Lutz bzw. seine beiden Söhne Martin und Andreas Lutz, die seine Firma, das Forschungs- und Prüfungsinstitut für Facility Management, das FIGR fortführen. In einem 2001 veranstaltetem Expertenforum der rationellen Hauswirtschaft liegen noch vom Vater (Walter Lutz) verantwortete Leistzngskennzahlen für Pflegeheime vor. Da in unseren Beispielen mit z. T. ähnlichen Räumen gearbeitet wird und diese Zahlen einfließen, seien die seinerzeit veröffentlichten Werte hier genannt:
Da die individuelle Situation der Betriebe hinsichtlich der
verschiedenen Einflußfaktoren letztlich nur ungenügend
berücksichtigt werden kann, sind die gelieferten Richtwerte nur
grobe Anhaltspunkte, die füjeden Betrieb individuell korrigiert
werden müssen.
Von den Mitarbeitern des genannten Forschungsinstituts wurde das Software-Programm Clean-Net entwickelt, das versucht, die entwickelten Methoden EDV-mäßig umzusetzen.
Erstes BeispielAusgangslage PDF-DateiVorgegeben war der (Teil-)grundriss eines Stockwerkes in Form einer PDF-Datei. Dieser Grundriss wird in eine leere Visio-Zeichnung eingefügt und anhand der lesbaren Maßketten in der Visio-Zeichnung angepasst. Hat z.B. eine Tür, von der man die wahre Ausdehnung von 1,00 Meter weiß, in der eingefügten PDF-Datei ene Breite von 0,50 Meter, müte die eingefügte Zeichnung in der Gröe verdoppelt werden. Mit dem Verlegen des Grundrisses auf einen Hintergrund-Layer steht der Ausgangspunkt der Visio-Zeichnung.
Die Erzeugung der Raum-Shapes
Als nächstes werden die Raum-Shapes erzeugt und mit den Eigenschaften (Attributen)
versehen, die wir für den Umgang mit den Reinigungsarbeiten benötigen.
Die Eigenschaften des RaumesAlle - auszuwertenden - Eigenschaftsfelder müssen nun vom Benutzer mit Werten gefüllt werden. Einige können auch später nachgetragen werden, jedoch funktioniert die angekoppelte Datenbank nur bei Vorhandensein eines eindeuteigen (Raum-)Namens, die Auswertung der Reinigungsarbeiten nur, wenn Raumgruppen und Leistungskennzahlen vergeben wurden.
Die Auswertung der Räume nach RaumgruppenMit Visio sind grafische Auswerteungen nach jedem vergebenem Attribut möglich, und zwar ohne Programmieraufwand, quasi auf Knopfdruck. Besonders interessant für unsere Problematik sind natürlich die Auswertungen nach Raumgruppen und nach Leistungskennzahlen, die im folgenden wiedergegeben werden.
Die Auswertung der Räume nach Leistungskennzahlen
Generierung interner Aufträge
Für den Gebäudereiniger stellt sich nach Eingabe aller relevanten
Raumdaten natürlich die Frage, wieviel Zeit für die Reinigung aller
Räume benötigt wird. Dazu wurde in unserem Fall eine Datenbankabfrage
erstellt, die eine Gesamtzeit von 6 Stunden ud 56 Minuten ergibt. Gleichzeitig
wird aus der Abfrage ersichlich, dass für die 13 Unterrichtsräume
ungefähr die gleiche Zeit benötigt wird wie für die restlichen
Räume.
Zweites BeispielPDF-Datei eines größeren GrundrissesAuch hier wird als Arbeitsgrundlage dem Reinigungsunternehemen eine PDF-Datei übergeben. Da keinerlei Maßketten vorhanden sind, muss im realen Gebäude ein Maß aufgenommen werden, in unserem Fall der Abstand zwischen zwei Gebäudeflügeln. Dieses Maß wird in die Zeichnung übertragen und diese entsprechend skaliert. Die gleiche Vorgehensweise hätte man im übrigen auch, wenn statt der PDF-Datei eine beliebige Pixel-Grafik (BMP, GIF, JPG, TIFF) zur Verfügung gestellt worden wäre.
Zuweisung der Raum-ShapesDie Zuweisung der Raum-Shapes erfolgt wie im ersten Beispiel erläutert, mit den gleichen Eigenschaften.
ZeichnungsdetailDa auch hier eine Fehlertoleranz bezüglich der Bodenflächen von 10% zugestanden wird, werden die in den Raum hereinragenden Pfeilerecken nicht in Abzug gebracht.
Auswertung der Räume nach Nutzungsart Büroarbeit und andere
Da die Auswertung der Räume nach Nutzungsart der DIN 277 in den folgenden
Beispielen eine wichtige Rolle spielt, finden Sie im folgenden diese Auswertung.
Unterschieden wird einmal in Büroräume im engeren Sinn, das sind Räume,
die als Nutzungsgruppe der Büroarbeit
und als Nutzungsart dem Büroraum
zuzuordnen sind, auf der zweiten Seite alle anderen Räume der Nutzungsgruppe
Büroarbeit wie Sekretariat, Besprechung usw. sowie alle Räume anderer
Nutzungsgruppen wie Flure, Toiletten u.a. Nicht berücksichtigt sind Aufzüge
und Schächte, die zwar nach DIN 277 einer Nutzungsgruppe zugewiesen werden müssen,
im Reinigungsbereich jedoch keine Rolle spielen.
Auswertung der Räume nach Nutzungsart Büroräume und andere unter alleiniger Berücksichtigung des Merkmals RaumgruppeIm ersten Beispiel wird aufgrund einer Datenbankabfrage ein interner Auftrag für zwei Mitarbeiter erstellt. Der erste hat alle 51 Büroräume mit einer Gesamtfläche von 1.099,16 qm in einer Vorgabezeit von 4 Stunden und 23 Minuten zu reinigen, der zweite die restlichen 38 Räume mit einer Gesamtfläche von 1.190,91 qm in einer Vorgabezeit von 3 Stunden und 52 Minuten. Bei der Berechnung der Vorgabezeiten wurde lediglich das Kriterium Raumgruppe berücksichtigt.
Trennung der Räume, die jeweils ca. 50 % der Gesamtzeit beanspruchen unter alleiniger Berücksichtigung des Merkmals RaumgruppeIm zweiten Beispiel wird aufgrund einer Datenbankabfrage ein interner Auftrag für zwei Mitarbeiter erstellt. Der erste hat alle Räume zu reinigen, bis ca. 50% der Gesamtreinigungszeit erricht ist, in unserem Fall 41 Räume mit einer Gesamtfläche von 1.076,56 qm in einer Vorgabezeit von 3 Stunden und 56 Minuten zu reinigen, der zweite die restlichen 48 Räume mit einer Gesamtfläche von 1.222,51 qm in einer Vorgabezeit von 4 Stunden und 19 Minuten. Bei der Berechnung der Vorgabezeiten wurde lediglich das Kriterium Raumgruppe berücksichtigt. Zur Kontrolle: Die Summe der Räume, Flächen und Zeiten in beiden Beispielen muss natürlich identische sein.
Auswertung der Räume nach Nutzungsart Büroräume und andere unter Berücksichtigung aller Merkmale, die auf die Leistungskennziffer Einfluss nehmen
Bei den Eigenschaften sowohl der Beispiele mit den Unterrichtsräumen als auch bei
den beiden letzten beiden wurden zwar als Attrubute der Verschmuzungsgrad
und die Überstelldichte
definiert, aber entweder nicht mit Werten belegt oder bei
der Berechnung der Leistungskennziffern nicht berücksichtigt.
Es dürfete klar sein, dass sich bei steigendem Verschmutzungsgrad bzw. höherer Überstelldichte die Reinigungszeiten erhöhen, wenn auch in unserem beispiel nur geringfügig.
Trennung der Räume, die jeweils ca. 50 % der Gesamtzeit beanspruchen unter Berücksichtigung aller Merkmale, die auf die Leistungskennziffer Einfluss nehmenAuch hier steigen die Reiningungszeiten (gerinfügig) und bei zeithälftiger Teilung muss der erste Mitarbeiter jetzt 43 statt 41 Räume, der zwite 46 statt 48 Räe reinigen, woraus zu schließen ist, dass der erste Teil der Räume (geringfügig) schmutziger und/oder dichter überstellt war.
Wie aus den Beispielen ersichtlich, läßt sich bei Vorliegen weiterer Daten wie des wöchentlichen und monatlichen Reinigungszyklus der vorgestellte Lösungskatalog leicht zu einem Gesamtpaket erweitern. |
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